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23.06.2015 16:17

Grillen grillen


F.J.K.: Heute geht es um das Lieblingsthema der Vietnamesen, das Essen. Außerhalb Saigons haben wir eine Familie besucht, die Grillen züchtet. In einer speziellen Erde werden die Eier ausgebrütet. Wenn die Insekten geschlüpft sind, ernähren sie sich von Blättern, vor allem jenen des Tapiocastrauchs, die sonst kaum zu verwenden sind. In einem Schuppen fristen die Grillen rund vierzig Tage ihr Leben in einer Betonwanne, die fieserweise oben einen Rand aus Keramikkacheln hat, so dass die Zirper ihrem Schicksal nicht entkommen können. Und dieses lautet: Wok und Ess-Schale.
Insekten sind sehr proteinhaltig und könnten helfen, das Ernährungsproblem einer ständig zahlreicher werdenden Weltbevölkerung, vor allem in armen Ländern, zu lösen. Deshalb hat die UNO letztes Jahr ein Insekten-Ernährungsprogramm im benachbarten Thailand aufgelegt. Dort sind die psychologischen Hürden nicht so hoch wie in unserer Kleingruppe. Auf der Terrasse des Hauses wird nämlich jetzt das Grillengericht serviert. Man nimmt ein Reispapier, taucht es ganz kurz in Wasser, um es wieder geschmeidig zu machen, legt Salat, Gurke und ein paar Blättchen Minze darauf und dann einen Löffel ausgenommene und gebratene Grillen, rollt das Paket zu einer ordentlichen Wurst, die man in eine Sauce tunkt und in den Mund schiebt. Wenn man sich denn traut.
Die Grillen sind in einer würzigen Sauce gebraten; sie schmecken weder besonders delikat noch irgendwie abstoßend, mit den anderen Zutaten in der Rolle harmonieren sie aber gut. Eine neue Erfahrung. Interessant.


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