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21.06.2015 19:27

Unwetter


Nun ist es ja bekannt, dass es in Vietnam Monate gibt, in denen es heftiger regnen kann, doch dass es so heftig regnet, konnte ich mir bis heute nicht vorstellen.
Es schüttete zweieinhalb Stunden lang so doll, wie wir es in Deutschland nach einem Gewitter nur für ein paar Minuten gewohnt sind. Innerhalb kürzester Zeit steht alles unter Wasser und die Gullis sind vom Müll auf der Straße verstopft. Während wir trocken im Auto durch die Pfützen brettern, haben die Motorradfahrer in ihren bunten Plastikcapes ordentlich mit dem Wetter zu kämpfen. Denn auf der Straße läuft immer mehr Regenwasser zusammen, das sich mit dem roten Schlamm auf dem Boden zu einer braunen, 20 cm hohen Suppe vermischt. Für die Motorradfahrer kommt das Wasser jetzt nicht allein von oben, sondern wie bei einer Dusche von allen Seiten gespritzt. Auch wir fühlen uns wie in einer Waschstraße, als uns plötzlich ein Lkw überholt, der eine unglaublich riesige Menge Wasser auf unser Auto schleudert. Aus dem Trockenen können wir erkennen, dass die Menschen in ihren Häusern anfangen, das Wasser aus den Hausfluren zu schöpfen. Ein trauriges Bild, denn beim Bau der höher gelegten Straße scheint man keine Rücksicht auf die ärmeren Bewohner genommen zu haben, in deren Häuser nun das Wasser fließt. Viele Kinder laufen auf der Straße herum, tanzen nackt im Regen und scheinen sich über die Abkühlung zu freuen. Nach zweieinhalb Stunden Regen erreichen wir Saigon, und es hört schlagartig auf zu schütten. Nur die tief dunklen Wolken erinnern noch an das Unwetter.


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