Unterwegs in einem geheimnisvollen Land
2. Auflage 2007, 232 Seiten, 14.95 Euro, 17 Stadtpläne und Übersichtskarten, 91 s/w-Fotos, ISBN 978-3-89794-114-4
Nordkorea ist einer der letzten weißen Flecken auf der politischen Weltkarte, erwähnt wird das Land meist im Zusammenhang mit der ›Achse des Bösen‹, dem Atomprogramm und Hungersnöten. Doch neben monumentalen Bauten zur Verehrung des ›Großen Führers‹ Kim Il Sung sind auch unberührte Berglandschaften und alte buddhistische Tempel Teil des Landes.
Dieses Buch ist der bislang einzige deutschsprachige Reiseführer zum Thema. Neben der ausführlichen Darstellung der Geschichte und Kultur Nordkoreas bietet es eine Beschreibung von besuchenswerten Regionen und Tips zur Reisevorbereitung und -durchführung.
»Ein Buch, das nicht nur für Nordkorea-Touristen interessant ist, sondern für alle, die mehr über Asiens bestgehütetes Geheimnis erfahren wollen«
Welt am Sonntag
Reisen in Nordkorea ist mit gewöhnlichen Aufenthalten in fremden Ländern nicht zu vergleichen. Die Bewegungsfreiheit des Touristen ist erheblich eingeschränkt. Schließlich handelt es sich bei der ›Demokratischen Volksrepublik Korea‹ um das am meisten abgeschottete Land der Welt, das Besucher seit 1989 nur höchst ungern, aber aus zwingender Notwendigkeit wegen dringenden Devisenbedarfs ins Land lässt. Dementsprechend rigide gestaltet sich der Aufenthalt selbst: Sich als Fremder frei in Nordkorea zu bewegen, ist unmöglich. Ein gut organisierter Apparat an staatlichen ›Reiseführern‹ (geheimdienstlichen Aufpassern) sind der ständige Begleiter des Ausländers. Individuelle Ausflüge ohne Begleitung sind bis auf geringfügige Ausnahmen nicht möglich. Und wer sich nicht an diese Regeln hält, bekommt in aller Regel Schwierigkeiten bis hin zu einer zwangsweisen Ausweisung oder zumindest einer strengen Rüge.
Dennoch sollen diese Repressalien kein Grund sein, nicht nach Nordkorea zu kommen. Zum einen handelt es sich um ein landschaftlich wunderschönes Land, zum anderen ist es auch für den politisch Desinteressierten eine interessante Erfahrung, die Kuriositäten eines autoritär geführten Staatssozialismus stalinistischer Prägung in der Gegenwart zu erleben. Dafür lohnt es sich, Bürokratie und Reiseeinschränkungen in Kauf zu nehmen sowie sich gewisse Verhaltensregeln zu eigen zu machen, die verhindern sollen, dass man mit der Staatsgewalt unangenehme Bekanntschaft macht.
Eine Reise nach Nordkorea ist heute an und für sich kein Problem, sofern man nicht Bürger der USA oder Südkoreas ist. Grundsätzlich wird eine Reise über die staatliche Reiseagentur ›Korea International Travel Company‹ (KITC) und ihre diversen Organisationen arrangiert – und über keine anderen. Generell haben nach Schätzungen in den letzten Jahren zwischen 50.000 und 60.000 ausländische Touristen pro Jahr das Land besucht, überwiegend Chinesen, aber auch verstärkt Besucher anderer asiatischer Länder und aus Europa. Dazu kommen noch Tagestouristen aus China und Russland, die kurz in die Grenzorte Sinuiju oder Rajin-Sonbong fahren, aber nicht ins eigentliche Land kommen, und die meist südkoreanischen Ausflügler in das abgeschlossene Tourismusgebiet Kumgang. Zugenommen haben auch Wirtschaftsdelegationen durch die langsame Öffnung der Sonderwirtschaftszonen für ausländische Unternehmen. Andere Besuche betrafen Sport- und Kulturdelegationen, Studienaufenthalte, Wissenschaftsmeetings und ein paar Verwandtentreffen. Auch Einzelreisende wagen sich zunehmend in das abgeschottete Land, gelegentlich werden auch Journalisten oder Fotoreporter eingelassen, die allerdings einer besonders aufmerksamen Kontrolle ausgesetzt sind. Hilfsorganisationen haben sich nach den großen Aktionen während der Flut- und Hungerkatastrophe in den neunziger Jahren teilweise wieder aus Nordkorea zurückgezogen.
Seit der ersten Auflage dieses Buches 2003 ist Nordkorea fast regelmäßig in den Schlagzeilen der Weltpresse gewesen – als hartnäckiger Provokateur des Westens, allen voran der USA. Diese sind von ihrer Definition Nordkoreas als Schurkenstaat nicht abgegangen und führen den letzten Kalten Krieg mit dem immer noch streng abgeschotteten, renitenten Land fort.
Die diplomatischen und politischen Scharmützel kulminierten zuletzt in einem mutmaßlichen nordkoreanischen Atombombentest Ende 2006, den Machthaber Kim Jong Il sogar gegen die mehr oder weniger offenen Bedenken seiner De-facto-Schutzmacht China durchzog – oder zumindest so tat. Das Resultat: Ein Wirtschaftsembargo der UNO auf Rüstungs- und ›Luxus‹güter folgte. Besonders das erstere dürfte doch schmerzvoll für Kim Jong Il sein, da der (inoffizielle) Außenhandel und somit eine der wichtigsten Schienen der Devisenbeschaffung Nordkoreas den Handel mit Waffen und Raketentechnik betrifft. Auch China mahnt bereits und sorgt sich über eine Destabilisierung des Nachbarn. Die Folge war unter anderem die Errichtung einer Mauer und kilometerlanger Stacheldrahtzäune an Teilen der chinesisch-nordkoreanischen Grenze, um Flüchtlinge abzuhalten.
Warum nach Nordkorea reisen? 5
Begegnung mit einem ungewöhnlichen Land 9
Geschichte 18
Die Anfänge 19
Die Choson-Dynastie 20
Unter japanischer Herrschaft 24
Die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg 29
Der Koreakrieg 31
Wiederaufbau und Personenkult 34
Nordkorea heute 40
Politisches System 53
Nordkoreas Staatswesen in Kürze 60
Wirtschaft 62
Arbeitslager und Umerziehungscamps 84
Die Bevölkerung 85
Medien 88
Kunst und Kultur 94
Flora und Fauna 99
Sprache 100
Pyongyang 104
Übersicht 105
Sehenswürdigkeiten 110
Rund um Mangyongdae 124
Die Residenzen der nordkoreanischen Führung 126
Der Südwesten 128
Nampo 128
Haeju 131
Kaesong 133
Sehenswürdigkeiten 135
Die Umgebung von Kaesong 137
Die Demilitarisierte Zone 139
Myohyang-Berge 144
Die Freundschaftsausstellung 145
Wanderungen um Myohang 147
Die Ostküste 149
Wonsan 149
Hamhung 152
Kumgang-Berge 154
Der Nordosten 159
Tanchon 161
Chilbo-Gebirge 162
Chongjin 163
Paekdusan 164
Sonderwirtschaftszonen 168
Kaesong Industrial Zone 168
Rajin-Sonbong Freihandelszone 172
Sonderwirtschaftszone Sinuiju 175
Geplante Projekte 176
Literaturempfehlungen 208
Überblick über die Medienlandschaft Nordkoreas
und nordkoreabezogene Informationsquellen 213
Adressen 215
Politische Funktionäre Nordkoreas 226
Über den Autor 227
Register 227
Bildnachweis 229
Arno Maierbrugger, Dr. phil., Mag. phil, geboren 1967 in Villach/Österreich, lebt als Journalist in Wien. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählt – neben kommunikationshistorischen Themen – unter anderem der asiatische Wirtschaftsraum.
Bisherige Buchveröffentlichungen: ›Fesseln brechen nicht von selbst‹ (Grafenau 1991), ›Das Wort gegen die Ordnung‹ (Wien 1992), ›Federkiel und Meinungsmacht‹ (Wien 1995), ›Luccheni‹ (Wien 2001).