Oman

Oasen­zauber in der Wahiba-Wüste

Wadi Bani Khalid im Oman
Der Wadi Bani Khalid (© Yulia Malega/shutterstock.com)

Wüste, Gebirge und Meer: Diese elementaren Landschaftsbilder bestimmen die Eindrücke einer Omanreise. Auf Wochenmärkten und in den Lehmstädten der Oasen begegnen Besucher lebendigen beduinischen Traditionen aus den Dünengebieten der Rub al-Khali und der Wahiba-Wüste. Mit einer Ausdehnung von etwa 180 Kilometern Länge und 80 Kilometern Breite ist die Ramlat al-Wahiba die kleinere der beiden Wüsten Omans. 

Die Oasen, die die Ränder der Wahiba-Wüste säumen, profitieren von ungewöhnlich oberflächennahen und dadurch Brunnen leicht zugänglichen Wasseradern. Besonders gut lässt sich das im Wadi Bani Khalid am Ostrand der Wüste erleben. Den periodischen Fluten im wasserreichen Bani Khalid ist es zu verdanken, dass der Ramlat al-Wahiba im Osten ein grünes Band – die sogenannten »Woodlands« – vorgelagert ist. Charakteristisch sind fein gefiederte Ghaf-Bäume (Prosopis) mit ihren tiefreichenden Wurzeln und gelb blühende Akazien. Beide dienen großen Kamel- und Kleinviehherden als Nahrung, weswegen die Kronen am unteren Rand oft wie abrasiert erscheinen. 

Wadi Bani Khalid

Eine durchgehende Asphaltstraße erschließt mittlerweile den tief in die Berge des Hajar al-Sharqiyah eingeschnitteten Oberlauf des ganzjährig wasserführenden, sehr fruchtbaren Tals. Bei Dawwah erreicht die äußerst kurvenreiche Straße den Talgrund. Nach Norden hin bei Moqel steht türkisgrünes Wasser in bis zu zwei Meter tiefen natürlichen Felsbecken. Am Wochenende zieht es viele omanische Familien zum Picknicken und Schwimmen hierher.

Bidah im unteren, südlichen Teil des Tals bietet sich als Ausgangspunkt für ein mehrstündiges Schwimmtrekking zu der kleinen Oase von Sayq an. Stellenweise reiht sich dort Pool an Pool, verbunden durch kleine Wasserfälle. Das Wasser steht hier so hoch, dass manche Strecken nur schwimmend zurückgelegt werden können.

Al-Kamil

Der alte Ortskern der ausgedehnten Oase Al-Kamil besteht aus einzelnen, durch Mauern voneinander getrennten Wohnvierteln, deren Lehmhäuser von schlanken Wehrtürmen überragt werden. Im Old Castle Museum findet sich eine etwas skurrile, aber sehenswerte Privatsammlung einer ansässigen Familie.

Bani Bu Hassan und Bani Bu Ali

Die beiden Oasendörfer im fruchtbaren Unterlauf des Wadi Bani Khalid tragen den Namen zweier ehemals verfeindeter Stämme. Neben den modernen Wohnsiedlungen stehen noch die alten, heute verlassenen Lehmhäuser. Beide Orte verfügen über ein Fort, von denen dasjenige der Al-Hamuda-Familie in Bani Bu Ali nicht restauriert ist und gerade deshalb besonders wuchtig wirkt. Das nahezu runde Fort in Bani Bu Hassan überblickt ausgedehnte Palmenhaine und erinnert nicht nur wegen seiner Form, sondern auch wegen der zahllosen rundlichen Zinnen an das wenngleich ältere Fort in Nizwa.

Ein für Oman ungewöhnliches Bild bieten die mit weißem Stuck überzogenen 52 Kuppeln der Al-Hamuda-Moschee in Bani Bu Ali. Sie folgt Traditionen der omayyadischen Architektur des 11. Jahrhunderts und wurde erst kürzlich komplett restauriert. Nahe der Moschee wie auch im benachbarten Bani Bu Hassan findet ein kleiner Freitagsmarkt statt.

Die Bani Bu Ali nahmen infolge wiederholter saudischer Bekehrungsfeldzüge im frühen 19. Jahrhundert den wahhabitischen Islam an. Als sie sich 1820 offen gegen den Sultan stellten, schickte dieser eine omanisch-britische Strafexpedition, die den Widerstand der Oase allerdings erst im zweiten Anlauf brechen konnte und das Dorf zerstörte.

Wüstencamps und Touren

Die Wüstencamps in der Ramlat al-Wahiba reichen von einfachen Zeltansammlungen bis zu luxuriösen Campements, die sogar teils Chalets besitzen. Die Camps bieten zahlreiche Aktivitäten an, wie z.B. Kamelsafaris, Dünensurfen, Quadfahren und Ausflüge zum Schwimmen ins Wadi Bani Khalid. Die Preise variieren je nach Ausstattung beträchtlich und beinhalten in aller Regel Halb- oder sogar Vollpension. Teilweise ist auch eine Begleitung ab der Asphaltstraße enthalten oder kann hinzugebucht werden.

Folgende Agenturen betreiben Wüstencamps bzw. organisieren Übernachtungen bei Beduinenfamilien:

Nomadic Adventures und Tours: www.nomadicdesertcamp.com

Bediyah Safari Tours: www.omansafaris.com

Auch mit dem eigenen Zelt kann man in der Wahiba campieren. Einige deutsche Veranstalter (u.a. nomad in Köln) bieten Fahrzeuge mit Dachzelten an. Damit ist man in der Wüste vollkommen unabhängig.

Dieser Textauszug stammt aus dem Trescher-Reiseführer OMAN von Lorenz Töpperwien und Julietta Baums.

OMAN

Unterwegs zwischen Muscat und Salalah

4., aktualisierte und erweiterte Auflage 2020
412 Seiten
ISBN 978-3-89794-488-6
19,95 €

 

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