Tschechien

Das Pilsner wurde in Böhmen geboren
Auf einer rustikalen Tischplatte stehen drei gefüllte Bierkrüge.
Nicht ohne mein täglich pivečko! (© DHReeves/shutterstock.com)

Ohne sein tägliches Bierchen, das er zärtlich pivečko nennt, kann sich kaum ein Tscheche sein Leben vorstellen. Die Verkleinerungsform benennt natürlich ein Halbliterglas, alles darunter gilt als Kinderbier. Statistisch flossen im Jahr 2024 ganze 128 Liter Bier durch jede tschechische Kehle. Ein Alsterwasser oder Radler wird zwar von vielen Ausländern bestellt, ist aber unter älteren Tschechen verpönt; mancher nennt es sogar Verunreinigung. Inzwischen brauen die Tschechen auch gute Weizenbiere, doch noch immer kommen zumeist 10°- und 12°-Biere aus dem Zapfhahn. Das erste enthält 4,2 Prozent Alkohol, das zweite 4,8 Prozent.

Das Land ist für seine Biersorten berühmt, und das Bierbrauen hat hier eine lange Tradition. Schon 1351 erteilte Kaiser Karl IV. der Stadt Budweis das Braurecht. Die einzelnen Brauer und Mälzer standen über Generationen in Konkurrenz untereinander, erst im 19. Jahrhundert kam es beispielsweise in Budweis (1895) und in Pilsen (1848) zur Gründung großen Stadtbrauereien.

Im Land der 600 Brauereien

Budweiser und Pilsner Urquell sind die beiden bekanntesten Biere aus Tschechien, aber inzwischen kommen diese aus über 600 großen und kleinen Brauhäusern. Die größte Braumetropole ist noch immer Pilsen. Aber schon der Schriftsteller Bohumíl Hrabal gab zu Papier: »In Prag fließt statt Grundwasser Bier.«

Heute zählt die tschechische Hauptstadt über 30 Brauereien. Die älteste ist das 1499 gegründete U Fleků (Beim Fleck). Noch heute wird hier das einzigartige 13-gradige Dunkelbier mit Karamellgeschmack gebraut. Allerdings kommen trotz des großen Andrangs jährlich nur 2500 Hektoliter aus den Gärbottichen. Zum Vergleich: Die größte Prager Brauerei, Staropramen im Stadtteil Smíchov, produziert drei Millionen Hektoliter – heute alles computergesteuert, wie man während einer Betriebsführung – enttäuscht – feststellt. Die Bierbraueridylle vergangener Tage ist auch hier endgültig vorbei. Nur im Gärkeller lässt sich frühere Brautechnik beobachten, denn die Gärung vollzieht sich nach wie vor traditionell in offenen Bottichen.

Budweiser-Produktion
In der Brauerei Budějovický Budvar in Budweis (© ako photography/shutterstock.com)

Noch echt tschechisch: das Budweiser

Braukonzerne aus Belgien, Brasilien und Japan haben sich die bekanntesten Biermarken längst einverleibt, so Pilsner Urquell, Gambrinus, Krušovice und Staropramen. Einzig die Brauerei Budweiser (Budvar) ist noch in Staatsbesitz. Hier kommt auch ein einzigartiger Gerstensaft aus dem Tank: »Kroužkovaný ležák«, das beispielsweise in den Budweiser Fleischbänken (Masné kramý) ausgeschenkt wird.

Vor dem Abfüllen werden diesem Bier Hefepilzkulturen und ein Extraktanteil zusätzlich zugesetzt. In den Fässern erfolgt die nächste Gärungsstufe, die zu einem höheren biologischen Wert dieses Bieres führt. Es zeichnet sich durch eine reine kompakte und stabile Schaumkrone, Vitamin-B-Komplex und einen höheren Aminosäureanteil durch lebende Hefekulturen aus. Letztgenannte sorgen dafür, dass das Bier nicht funkelt, sondern klar bis leicht opalschimmernd daherkommt.

Der Affe am Morgen

Manche Tschechen mögen hingegen das neue »Einheitsgesöff wie überall auf der Welt« aus den Großbrauereien nicht – sie schwören daher auf Dorf-, Mini- oder gar winzige Hausbrauereien, die vielerorts ganz besondere und nicht gefilterte und/oder nicht pasteurisierte Gerstensäfte anbieten.

In Tschechien hat ein Betrunkener am Tag danach keinen Kater, sondern er sagt: »Ich habe einen Affen.« Weil auf Tschechiens Straßen die Null-Promille-Regel gilt, wird überall auch alkoholfreies Bier ausgeschenkt – manchmal auch vom Fass.

Hier geht’s zu einer Brauerei-Übersichtskarte nach Landesregionen.

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Dieser Textauszug stammt aus dem Trescher-Reiseführer TSCHECHIEN von André Micklitza.

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