Pfalz

Kletterparadies Wasgau

Ein Kletterfels ragt aus hügeligem Waldgebiet empor
Der Asselstein wurde bereits 1860 mit allerlei Hilfsmitteln erklommen (© David Hajnal/shutterstock.com)

Der den Pfälzerwald prägende Buntsandstein entstand vor rund 250 Millionen Jahren, als hier Wüstenklima herrschte. Damals lagerten sich riesige Mengen Sand aus umliegenden Gebirgen in der Region ab, die sich im Lauf der Zeit mit vertrocknetem Flussschlamm zu Buntsandstein verfestigten. Für die rote Farbe sorgten Eisenoxide. Erosionsprozesse, begleitet von mehreren Kalt- und Warmzeiten, formten schließlich den Pfälzerwald mit seinen tief eingeschnittenen Tälern. Schon früh wurde das Gestein zum Bauen verwendet, wovon Burgen und Kirchen, aber auch viele Häuser bis heute zeugen.

Besonders eindrucksvoll zeigt sich der Buntsandstein im Kletterparadies Dahner Felsenland. Hier hat die Natur einmalige Formationen aus Stein geschaffen, die das Bild der Pfalz in Fotobänden und Kalendern entscheidend mitprägten. Sie erinnern an Urlandschaften wie in Colorado und locken inzwischen ganzjährig Wanderer und Naturfreunde.

Im Wasgau, wo sich die mächtigen Steinklötze von ihrer schönsten Seite zeigen, kann man ihre Strukturen am besten studieren. Klüfte, Risse und die Oberfläche der Felsen verraten Fachleuten, wann und wie sie entstanden sind, wie sie sich in vielen Millionen Jahren tektonisch verformten und wie Wasser, Wurzelwerk, Wind und Frost ihnen Gestalt gaben.

Ungeheure Felsenmassen von den abenteuerlichsten Formen ragen auf fast jeder Bergspitze empor, und wir müssen nahe hinzutreten, um zu unterscheiden, was Felsgebinde sind, und was Burgtrümme.

So beschrieb ein Reisender Mitte des 19. Jahrhunderts seine Eindrücke aus dem Wasgau. Felsen und Burgen, wie man sie in dieser Dichte sonst kaum noch auf der Welt findet, sind bis heute das Kapital der Ferienlandschaft Wasgau. Allerdings sind die meisten Burgen längst verschwunden oder nur noch als Ruinen vorhanden.

Einige freilich wie der Trifels oder Burg Berwartstein bei Erlenbach sind touristische Attraktionen. Das gilt auch für zahlreiche Felsmassive, die im Lauf vieler Millionen Jahre durch Verwitterung und Abtragung der unterschiedlich stark verfestigten Gesteinsschichten entstanden sind. Allein im pfälzischen Teil des Wasgaus zählt man heute über 200 Felsmassive und freistehende Felstürme, die unter Kletterern zum Teil internationalen Ruf genießen.

Klettern im Biosphärenreservat

Anders als in alpinen Regionen sieht man es in der Pfalz nicht gern, Routen mit Griffen und Tritten auszustatten, also eine Art Kletterautobahn zum Gipfel zu schaffen. Im Wasgau sind deshalb die Naturfreunde gefragt, welche die natürlich vorgegebenen Strukturen in den Felswänden immer wieder neu erobern. Dabei gilt es, die Naturschutzbelange im Biosphärenreservat ernst zu nehmen, Pflanzen und Tiere zu respektieren.

Jeder Kletterer, heißt es beim Arbeitskreis Klettern und Naturschutz Pfalz, »sollte sich so verhalten, dass am Fels so wenig Spuren als möglich zurückbleiben. Auf den Gebrauch von Magnesia soll verzichtet werden.« Natürlich sollte kein Müll an den Felshängen zurückgelassen und Lärm vermieden werden. Außerdem sei die Erschließung von unten, die mehr Aufwand und Kreativität erfordert, der Erschließung von oben vorzuziehen.

Rot-brauner Felsturm vor Bäumen und Himmel
Der Jungfernsprung, Wahrzeichen von Dahn (© David Hajnal/shutterstock.com)

Klettern mit Tradition

Bereits 1860 hatte man die Westwand des Asselsteins im Schatten des Trifels bei Annweiler mit Hilfe von Holzleitern und angelegten Baumstämmen erklettert. Später wurde ein festes Drahtseil in der Felswand installiert und damit einer der ersten Klettersteige Deutschlands geschaffen. Die wirklich sportliche Kletterei im Wasgau aber startete erst 1903 mit der Erstbesteigung des Rödelsteins, einem mächtigen Felsbrocken in Vorderweidenthal. Es war der Auftakt zum Sturm auf zahlreiche Buntsandsteintürme, deren Erstbesteigungsrouten aber noch nicht in Schwierigkeitsgraden ausgewiesen wurden.

1919 organisierten sich die Kletterer schließlich in der Interessenvertretung der Pfalzkletterer. Erste Hochkonjunktur hatte das Klettern dann in den 1930er Jahren, als Dutzende freistehender Türme mit Haken im Fels bestiegen wurden. Die meisten der klassischen Pfälzer Kletterrouten aber entstanden erst nach dem Zweiten Weltkrieg, Strecken, die nur von unten und ohne Auskundschaften von oben begangen wurden.

Ab Mitte der 1970er Jahre aber setzte sich auch in der Pfalz die sogenannte Freikletterei durch, in deren Rahmen hunderte weitere Kletterrouten entstanden. Allerdings führte die neue Kletterei, bei der vor der ersten Erkletterung die Strecke von oben inspiziert und mit einigen Kletterhilfen wie Ringen versehen wurde, zu großen Diskussionen. Über ein Jahrzehnt waren die traditionellen Kletterer und die jungen Wilden zerstritten, bis man 1990 gemeinsam die »Richtlinien für sanftes Klettern im Wasgau Felsenland« formulierte. Sie tolerierten schließlich sowohl »eine maßvolle Erschließung von Kletterrouten von oben als auch die Benutzung von Magnesia in den obersten Schwierigkeitsgraden«. Es war der Startschuss zur Schaffung neuer, noch schwierigerer Felsstrecken, die Namen wie »Magnetfinger« charakterisierten. Bis zum unteren elften Grad der Schwierigkeitsskala etwa am Nonnenfels schraubte man so die Leistungsskala nach oben.

Weitgehend einig ist man in der Klettergemeinde, dass die meisten Felsformationen im Wasgau nicht für Anfänger geeignet sind und allenfalls unter Aufsicht erfahrener Kletterer in Angriff genommen werden sollten. Zu den populärsten Treffpunkten der Kletterer gehört das Bärenbrunnertal bei Schindhard mit seinen eindrucksvollen Felsen im Talkessel.

Cover Trescher-Reiseführer Pfalz

Dieser Textauszug stammt aus dem Trescher-Reiseführer PFALZ von Günter Schenk.

Pfalz

Pfälzerwald, Weinstraße, Pfälzer Bergland und Rheinebene
Mit Heidelberg, Mannheim und Saarpfalz-Kreis

1. Auflage 2023
404 Seiten
ISBN 978-3-89794-503-6

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